Teilen lernen
Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.
Matthäus 25,35-37 | LUT
Der Martinstag, der am 11. November gefeiert wird, erinnert an das Leben und Wirken des heiligen Martin von Tours. Die Legende von Martin, die das Teilen in den Mittelpunkt stellt, hat eine wichtige Botschaft des Mitgefühls, der Nächstenliebe und des Teilens von Ressourcen.
Die Legende erzählt, wie der junge Martin von Tours an einem kalten Wintertag einem frierenden Bettler begegnete. Ohne zu zögern, teilte er seinen Mantel mit dem Bettler, um ihm Wärme zu verschaffen. Später erkannte Martin in dem Bettler Christus selbst und zitierte die Worte aus dem Matthäusevangelium 25,31–40: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Dieses Ereignis prägte Martins Leben und wurde zu einem Symbol der christlichen Nächstenliebe und des Teilens.
Der Martinstag erinnert Christen daran, sich aktiv für eine gerechte Verteilung der Güter einzusetzen und bereitwillig zu teilen. Es ist ein Aufruf zur Solidarität und zur Hilfe für die Bedürftigen in der Gesellschaft. Die Legende des heiligen Martin von Tours erinnert daran, dass Mitgefühl und Nächstenliebe grundlegende Werte des Christentums sind und dass sie in konkretem Handeln Ausdruck finden sollten.
Während fast aller Heiligen an ihrem Todestag gedacht wird, macht der heilige Martin eine Ausnahme. Er starb am 8. November 397, man gedenkt seiner aber am 11. November. Den Grund für die Verschiebung um drei Tage sehen Volkskundler darin, dass der 11. November bereits im 4. Jahrhundert ein Bauernfeiertag war, sozusagen ein zweites Erntedankfest, an dem die geernteten Früchte bereits verarbeitet, der neue Wein (Martiniwein oder Märteswein) erstmals verkostet und das Personal gewechselt wurde. Es begannen die Bauernfeiertage, an denen Knechte und Mägde Eltern und Verwandten besuchen konnten, die Feldarbeit eingestellt war und auf dem Hof nur noch die Tiere zu versorgen und Reparaturen auszuführen waren.
Mit den Jahren überlagerte der Festcharakter des Tages als Heiligengedenktag den bäuerlich geprägten Tag und übernahm das bäuerliche Brauchtum in den kirchlichen Festtag.
Aus der Pachtgans, die am Martinstag zur Begleichung der „kleinen Pacht“ für ein Stück Acker oder eine Wiese fällig war, wurde deshalb die „Martinsgans“. Der Tag des heiligen Martin galt verschiedenen Ortes auch als Steuertag, so dass Martin auch zum Steuerheiligen wurde. Es hieß: „Auf Martini ist Zinszeit.“ Dieser Sprichwortsinn verband sich mit dem Heiligen zur Redensart: „Sankt Martin ist ein harter Mann, für den, der nicht bezahlen kann.“
Lange Zeit war in Gallien Martini der letzte Festtag vor der sechswöchigen Advent- und Fastenzeit (= Epiphaniasfastenzeit, Quadragesima Martini, Weihnachtsfasten, Adventfastnacht), der – wie alle hohen Feiertag – mit der ersten Vesper am Vorabend, dem Lucernarium (d.h. Zeit des Lampenanzündens), begann. Der Martinstag hatte daher in der frühen Kirche einen Schwellenfest-Charakter wie Aschermittwoch.
Vom Weltgericht
31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, 32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Das Teilen und die Bereitschaft, anderen zu helfen, stehen somit im Mittelpunkt des Martinstags und dienen als Inspiration, diese Werte im eigenen Leben zu leben und anderen gegenüber Mitgefühl zu zeigen. Der Martinstag erinnert auch an die Wichtigkeit des Miteinanders und der Solidarität in der Gemeinschaft.
