6. Januar | Epiphanias | Sternsinger | Heilige drei Könige | C+M+B | Erscheinung des Herrn

Der 6. Januar ist der Tag der Erscheinung des Herrn, auch bekannt als Epiphanias.

An diesem Tag feiern Christen weltweit das Fest, an dem die Heiligen Drei Könige, auch Weise aus dem Morgenland genannt, das neugeborene Jesuskind in Bethlehem verehrten und ihm Geschenke brachten. Das Fest symbolisiert die Offenbarung Jesu Christi als Erlöser der ganzen Menschheit, nicht nur für das Volk Israel, sondern für alle Völker. Dies wird durch die Darstellung der Drei Könige, die aus verschiedenen Teilen der Welt kommen, verdeutlicht. Im kirchlichen Kontext steht Epiphanias für das Offenbarwerden des göttlichen Lichts, das allen Menschen zugänglich ist.

Epiphanias und die Heiligen Drei Könige

Der Begriff „Epiphanias“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Erscheinung“ oder „Offenbarung“. Die Heiligen Drei Könige oder Weisen sind in der christlichen Tradition Symbole für die Aufnahme aller Völker in die Erlösung durch Christus. Auch wenn die Bibel keine Namen für die Könige nennt, wurden sie im Laufe der Zeit als Caspar, Melchior und Balthasar bekannt. Diese Figuren stehen nicht nur für verschiedene geografische Regionen, sondern repräsentieren auch unterschiedliche Kulturen und Ethnien, was die universelle Botschaft des Christentums unterstreicht.

C+M+B und die Tradition der Sternsinger

Eine der bekanntesten Traditionen zu Epiphanias ist die der Sternsinger. Kinder verkleiden sich als die Heiligen Drei Könige, ziehen von Haus zu Haus, singen Lieder und sammeln Spenden für soziale Projekte. Dies geschieht in vielen Ländern, besonders in Deutschland, und ist mittlerweile eine der größten Kinderhilfsaktionen weltweit. Die Buchstaben C+M+B, die dabei oft an den Haustüren angebracht werden, stehen für den Segen „Christus mansionem benedicat“, was übersetzt „Christus segne dieses Haus“ bedeutet. Gleichzeitig sind sie eine Erinnerung an die Namen der Könige und ihre symbolische Bedeutung.

Kolonialismus, Rassismus und Blackfacing in der Tradition der Sternsinger

Die Darstellung der Heiligen Drei Könige, insbesondere des Königs Balthasar, ist im Kontext von Kolonialismus, Rassismus und Blackfacing zunehmend kritisch hinterfragt worden. Traditionell wurde Balthasar, der als der „schwarze“ König gilt, in vielen Darstellungen von weißen Darstellern durch das Blackfacing, also das Schminken des Gesichts mit schwarzer Farbe, dargestellt. Diese Praxis, die ihren Ursprung in der Sklaven- und Kolonialgeschichte hat, ist heute von vielen als rassistisch angesehen. Sie verweist auf eine problematische Tradition, bei der schwarze Menschen häufig auf stereotype, exotisierte oder herabwürdigende Weise dargestellt wurden.

In der postkolonialen Gesellschaft gibt es zunehmend das Bewusstsein, dass solche Darstellungen die historischen Ungleichheiten und die koloniale Ausbeutung von nicht-europäischen Völkern widerspiegeln. Blackfacing ist heute weitgehend aus der Praxis der Sternsinger-Aktionen verschwunden, und viele Kirchen und Organisationen setzen sich dafür ein, dass Darsteller, die Balthasar spielen, tatsächlich eine Afrodescendant-Herkunft haben, um eine respektvolle und realistische Darstellung zu gewährleisten.

Eine zeitgemäße Perspektive

Die Tradition der Sternsinger, die auf den ersten Blick eine schöne, kindliche Feier von Geben und Segen ist, fordert uns heraus, über die historische Bedeutung und die Symbolik der dargestellten Figuren nachzudenken. Epiphanias ist mehr als nur ein religiöses Fest – es ist auch ein Moment der Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie Rassismus und Kolonialismus die Wahrnehmung und Darstellung von Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt geprägt haben. Der Schritt, die Darstellung der heiligen Könige aus einer kritischen Perspektive zu betrachten und an die heutige Realität anzupassen, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer inklusiveren und respektvolleren Gesellschaft.

Das Fest der Erscheinung des Herrn kann und sollte uns dazu einladen, über die Vielfalt der Menschheit nachzudenken und die universelle Botschaft von Liebe und Gerechtigkeit zu verbreiten – auf eine Weise, die alle Menschen gleichermaßen anerkennt und respektiert.