Im christlichen Umfeld – Gemeinde(n), Hauskreis etc. höre ich immer wieder und immer häufiger nachgeplapperte rechte Narrative über „woken Irrsinn“ „Gendergaga“ und dass uns „diese ganze Diversity-Scheiße in den Abgrund führen“ wird. Da ist die Rede von Bürgergeld-Schmarotzern, von Illegalen, von Menschen, die „dahin zurück gehen sollen, wo sie hergekommen sind“.
In der Bibel werden Christen an tausenden Stellen eindringlich angehalten sich um die Armen, die Unterdrückten, die Ausgegrenzten zu kümmern. Wie können also diese Menschen überzeugt sein gute Christen, Nachfolger Jesu zu sein?
Die Frage, wie Menschen, die sich Christen nennen, dennoch Positionen vertreten können, die scheinbar im Widerspruch zu Jesu Lehre stehen, lässt sich oft auf verschiedene Faktoren zurückführen:
1. Kulturelle Prägung und soziale Dynamiken
Viele Christen wachsen in einem sozialen und kulturellen Umfeld auf, das bestimmte politische Narrative als selbstverständlich vermittelt. Wenn in diesen Kreisen Begriffe wie „Genderwahn“ oder „Diversity“ negativ konnotiert sind, übernehmen manche diese Ansichten unkritisch – teils aus Gruppenzwang, teils aus Unwissenheit.
2. Fokussierung auf persönliche Moral statt soziale Gerechtigkeit
Einige christliche Strömungen legen den Schwerpunkt stärker auf persönliche Sünden (z. B. Sexualmoral) und weniger auf soziale Sünden wie Ungerechtigkeit, Ausbeutung oder Diskriminierung. Diese Verkürzung des Evangeliums führt dazu, dass gesellschaftliche Fragen wie Migration oder Armut in manchen Kreisen unterbewertet werden.
3. Missbrauch religiöser Narrative
Rechte Narrative nutzen oft religiöse Begriffe oder Symbole, um politische Ideologien zu untermauern. Beispielsweise wird der Wert „Ordnung“ biblisch begründet, um strikte Grenzpolitik oder die Ablehnung von Diversität zu legitimieren.
4. Ignoranz oder mangelnde Auseinandersetzung mit Jesu Lehre
Manche Menschen hören zwar regelmäßig Predigten, setzen sich aber wenig aktiv mit der biblischen Botschaft auseinander. Eine tiefergehende Reflexion über Jesu radikalen Einsatz für die Schwachen und Ausgegrenzten könnte hier oft den Horizont erweitern.