Glaube heilt – aber nicht immer ohne Hilfe
Es gibt unter uns Christ:innen immer noch Stimmen, die sagen:
„Wenn du wirklich glauben würdest, wärst du nicht depressiv.“
Oder: „Du brauchst keine Therapie, keine Medikamente – du brauchst nur mehr Gebet.“
Solche Sätze klingen fromm, aber sie sind gefährlich. Und sie haben nichts mit dem biblischen Gottesbild zu tun, das uns durch Jesus begegnet: ein Gott, der heilt – aber auch den Arzt schickt.
Gott wirkt durch Menschen – auch durch Ärzt:innen
Die Bibel kennt keinen Gegensatz zwischen Glauben und medizinischer Hilfe. Im Gegenteil:
„Ehre den Arzt mit seiner Ehrung, wie sie ihm vom Herrn zukommt; denn auch ihn hat der Herr geschaffen.“
(Jesus Sirach 38,1 LUT)
Gott hat uns Weisheit, Wissenschaft und heilende Hände gegeben. Wer leidet – ob körperlich oder seelisch – darf Hilfe in Anspruch nehmen, ohne seinen Glauben zu verraten. Im Gegenteil: Es ist ein Akt von Demut und Vertrauen, nicht alles alleine tragen zu wollen.
Depression ist keine Schwäche des Glaubens
Eine Depression ist keine Schuld, kein Mangel an Spiritualität, kein Zeichen dafür, dass du Gott fern bist. In der Bibel rufen viele Menschen in tiefster Dunkelheit zu Gott – darunter Hiob, Jeremia, Elia, selbst Jesus im Garten Gethsemane. Sie verzweifeln, weinen, klagen – und Gott hält das aus.
Gott urteilt nicht über unsere Dunkelheit. Er begleitet uns hindurch. Aber er möchte auch, dass wir uns helfen lassen, wenn wir es selbst nicht mehr schaffen.
Gebet und Tabletten schließen sich nicht aus
Gott kann heilen. Sofort. Manchmal tut er es. Aber oft tut er es durch viele kleine Schritte: durch Gespräche mit einer Therapeutin, durch ein wirksames Medikament, durch Zeit in einer Klinik, durch Menschen, die zuhören.
Ein Antidepressivum ist kein Zeichen mangelnden Glaubens.
Eine Therapie ist kein Widerspruch zur Bibel.
Und eine Klinik ist kein Ort der Gottverlassenheit – sie kann ein Rettungsanker sein.
Glaube heißt auch: Verantwortung annehmen
Wer psychisch erkrankt ist, braucht keine frommen Appelle – sondern verständnisvolle Begleitung, professionelle Hilfe, liebevolle Geduld. Glaube bedeutet nicht, stark sein zu müssen. Glaube heißt auch: Schwach sein dürfen und sich tragen lassen.
Wenn du spürst, dass es nicht mehr allein geht:
Bitte hol dir Hilfe. Gott verurteilt dich nicht. Er segnet deinen Mut.