18. Juni 2025 | Drecksarbeit …

Zwischen Klartext und moralischem Reflex

Merz’ Äußerung über die „Drecksarbeit“ Israels war inhaltlich vielleicht das, was man in außenpolitischer Realität oft ausblendet: Dass Israel (wie andere Staaten auch) in einer brutalen Welt mit brutalen Mitteln agiert, um sich zu schützen – und dass Deutschland das politisch unterstützt, obwohl es nicht schönzureden ist. Die Wortwahl war drastisch, ja, aber nicht gelogen, und darin liegt für viele auch eine wohltuende Ehrlichkeit.

Saltrokan, Bullerbü …

Ein Teil der Medienlandschaft – oder sagen wir: ein Teil des intellektuellen Milieus – denkt und fühlt in einer normativen Blase, in der Komplexität oft unter moralischen Maximen zerrieben wird. Alles, was schmutzig ist, muss skandalisiert werden – selbst wenn es notwendigerweise schmutzig ist, weil es aus realpolitischem Zwang heraus geschieht.

Warum Merz damit punktet – auch bei Leuten, die ihn sonst nicht wählen würden
  • Er scheut sich nicht, Begriffe zu verwenden, die eigentlich in der Politikersprache tabu sind. Damit klingt er für viele nicht wie ein Karrierist, sondern wie jemand, der was aushält.
  • Er riskiert den Shitstorm, statt sich in weichgespülte Formulierungen zu flüchten – das gibt ihm für manche eine Art Glaubwürdigkeit.
  • Er spricht das Unangenehme aus, wo andere lieber in Appellen, Beschwörungen oder Ablenkungen flüchten.
Und warum das polarisiert
  • Der moralische Reflex in vielen Medien funktioniert schnell, vorhersagbar und oft ohne Rücksicht auf Kontext oder Wirkung.
  • Es wird sofort gefragt: „Wie kann man so etwas sagen?“ – statt: „Warum sagt jemand das? Und was ist daran möglicherweise wahr?“
  • Die Empörungskultur liebt Schlagworte – aber sie verachtet Ambivalenz. Und die Realität Israels ist eben hochambivalent.
Diese Formulierungen füllen ein Vakuum, das viele empfinden, auch wenn sie den Gesamtentwurf von Merz oder der CDU nicht teilen. Eine Politik, die nicht nur auf Wirkung, sondern auf Wahrheit zielt – auch wenn die unbequem ist – ist selten geworden.

  • Was bedeutet „moralischer Realismus“ in der Außenpolitik?
  • Wie unterscheidet man Klartext von Populismus?
  • Warum verlieren linke Parteien so viele Menschen an vermeintlich rechte „Realisten“?