September 2025 | Ruhs, Ronzheimer, Restle
Wer bestimmt den Ton im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Kritik statt Kulturkampf: Warum der ÖRR jetzt Selbstreflexion braucht
Die Debatte um den Fall Julia Ruhs beim NDR ist längst mehr als eine Personalie. Sie ist ein Brennglas für die Frage: Wie frei und vielfältig ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch?
In den vergangenen Tagen hat ZEIT ONLINE das Thema ausführlich beleuchtet. Und auch Paul Ronzheimer hat in seinem Stimmen eingefangen, die den Fall in einen größeren Zusammenhang stellen: Machtpolitik, Kulturkampf, Vertrauen in Institutionen.
Sind ARD und Co. zu links? Mit Georg Restle – RONZHEIMER.
Besonders spannend ist, dass Journalisten selbst in der Kritik stehen – nicht nur Politiker. Georg Restle hat jüngst daran erinnert, dass auch die Medien ihrer Verantwortung nicht immer gerecht werden: zu einseitig, zu moralisierend, zu wenig offen für echte Pluralität. Er warnt davor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk von innen heraus zu schwächen, indem man ihn zur Bühne von Gesinnungskämpfen macht.
Zwischen Kulturkampf und Glaubwürdigkeitskrise
Was wir erleben, ist ein Kampf um Deutungshoheit. Markus Söder spricht von „Intoleranz“ im NDR. Andere sehen in der Debatte den Versuch, Journalismus mundtot zu machen. Beides greift zu kurz.
Die eigentliche Gefahr liegt darin, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Schritt für Schritt an Vertrauen verliert – weil die Zuschauer das Gefühl haben, dass bestimmte Stimmen nicht vorkommen oder sofort in Schubladen gesteckt werden.
Ein Aufruf zur Selbstkritik
Darum braucht es jetzt vor allem eines: Selbstkritik.
- Bei den Medien: mehr Transparenz, mehr Bereitschaft, auch unbequeme Stimmen zu Wort kommen zu lassen – ohne gleich ins Aktivistische zu kippen.
- Bei der Politik: klare Grenzen. Kein Rundfunk darf das verlängerte Sprachrohr von Parteien sein.
- Bei uns allen: die Unterscheidung zwischen Kritik und Kampagne, zwischen Streit und Kulturkampf.
Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist kein Nebenschauplatz. Er ist ein Teil des demokratischen Fundaments – und gerade deshalb sollte er Orte des Dialogs, der Differenzierung und der Selbstkorrektur sein.
UPDATE/Ergänzung | Dezember 2025