Der Januar | 2026

Es fühlt sich an, als sei die Zeit aus den Fugen geraten


Nicht, weil ein Ereignis alles verändert hätte – sondern weil zu viele in zu kurzer Folge geschehen. Kaum ist eines begriffen, kippt schon das nächste die Lage erneut. Was früher Jahre brauchte, verdichtet sich nun auf Wochen, manchmal auf Tage. Orientierung wird schwer, Gewissheiten brüchig, Regeln porös.

Die globale Lage ist so bedrohlich wie lange nicht mehr.
Nicht allein wegen einzelner Kriege, sondern wegen des Zusammenbruchs der stillen Absprachen, die über Jahrzehnte galten: dass Grenzen nicht einfach verschoben werden, dass Macht sich wenigstens rhetorisch rechtfertigen muss, dass wirtschaftliche Stärke an Verantwortung gebunden ist. Diese stillen Regeln – nie perfekt, aber wirksam – werden gerade reihenweise außer Kraft gesetzt.

Deutschland steht damit vor einer Herausforderung, wie es sie seit Bestehen der Bundeswehr nicht kannte.
Nicht nur technisch oder militärisch, sondern moralisch und gesellschaftlich. Die Frage lautet nicht mehr bloß: Sind wir verteidigungsfähig?
Sondern: Wer wollen wir sein, wenn Abschreckung wieder Alltag wird?
Wie bleibt ein Land demokratisch, offen, rechtsstaatlich – und zugleich wehrhaft?
Wie schützt man Frieden, ohne sich selbst zu verlieren?

Ein Januar, der sich wie ein halbes Jahr anfühlt: Sicherheit, Politik, Weltlage Feel The News

Ein ungewöhnlich turbulenter Jahresstart: Jule und Sascha sprechen über den Berliner Blackout und die Frage, wie verwundbar Deutschlands Infrastruktur ist, über Russlands jüngste Angriffe und geopolitische Spannungen sowie über das Chaos rund um Donald Trump. Dazu kommt die weiterhin dynamische Lage im Iran. Ein Januar, in dem lokale und globale Krisen plötzlich sehr nah zusammenrücken.

Parallel dazu entfesselt sich ein Kapitalismus, der sich zunehmend von jeder Bindung löst. Gewinn wird zur letzten Rechtfertigung, Geschwindigkeit zum höchsten Wert. Was sich nicht rechnet, verschwindet. Was bremst, gilt als naiv. Menschen werden zu Variablen, Staaten zu Standorten, Moral zur PR-Option. Auch das ist eine Form von Gewalt – leiser, aber tiefgreifend.

Und genau hier, an diesem Punkt der Überforderung, liegt etwas Überraschendes:
die Hoffnung des Glaubens.

Nicht als Vertröstung.
Nicht als billige Zuversicht.
Sondern als Widerstand gegen die Logik der Entfesselung.

Glaube bedeutet jetzt: sich nicht dem Zynismus zu ergeben.
Zu glauben, dass Macht nicht das letzte Wort hat.
Dass der Mensch mehr ist als sein Nutzen.
Dass Würde nicht verhandelbar ist – auch nicht im Ausnahmezustand.

Gerade jetzt erinnert der Glaube daran, dass Geschichte offen ist.
Dass selbst dunkle Zeiten nicht das Ende der Erzählung sind.
Dass Verantwortung nicht verschwindet, nur weil sie unbequem wird.
Und dass Hoffnung kein Gefühl ist, sondern eine Haltung:
die Entscheidung, dem Guten Raum zu geben, wo alles nach Härte schreit.

Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung dieser Zeit:
nicht nur stärker zu werden – sondern tiefer.
Nicht nur schneller zu reagieren – sondern klarer zu unterscheiden.
Nicht nur zu sichern, was ist – sondern zu bewahren, wer wir sind.

Jetzt.
Gerade jetzt.